Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe

BlumeAndreas ist heute 14 Jahre. Er kommt schon seit vielen Jahren zum Nachmittagsunterricht in die Lern-und Legastheniewerkstatt. Sein großes Interesse gilt seit jeher Autos und Kfz Mechanik. Schon als kleiner Bub half er gerne im elterlichen Autohaus mit. In der Schule machte Andreas vor allem Mathematik große Mühe. Also suchten wir nach einem Weg sein persönliches Interesse mit Aufgaben zu verbinden, die seine Aufmerksamkeit und Freude an der Mathematik wecken würden. Wir entwarfen Rechenaufgaben, die auf Andreas abgestimmt waren: Wir fragten „Ein Auto kostet 20 Euro, wie viel kosten 4 Autos?“ oder „Ein Auto hat 4 Reifen. Papa braucht Reifen für 8 Autos.  Papa hat 30 Reifen. Wie viele muss er noch bestellen?“

Plötzlich sah Andreas einen weiteren Sinn in seiner Arbeit. Er wollte seine Rechenaufgaben lösen, weil es für ihn persönlich Relevanz hatte. Zeit spielte auf einmal keine Rolle mehr, Robert tauchte in seine ganz persönliche Welt der Mathematik ein. Das Lösen der Mathematik-Aufgaben war dabei nicht mehr mühevolle, sondern spannende Arbeit. Tätigkeiten, die auch seine motorischen Fähigkeiten forderten, ergänzten dabei seine Arbeit.

Ein klarer Geist und ein koordinierter Bewegungsapparat sind die Basis für das Konzentrationsvermögen eines Kindes.  Als Erwachsene haben wir eine wichtige Rolle, diese Konzentrationsfähigkeit zu fördern. Es gilt dabei dem Kind die richtigen „Gründe zur Arbeit“ in der passenden Form zu bieten. Diese müssen den individuellen Interessen des Kindes so gut entsprechen, dass tiefstes Interesse des Kindes geweckt wird.

Maria Montessori, Begründerin der Montessori-Schulen, beschreibt die besondere Lernfähigkeit des Kindes mit dem Phänomen des „absorbierenden Geistes“. Ein Kleinkind hat die natürliche Gabe, alles um sich herum aufzunehmen wie ein Schwamm.  Ab dem vierten Lebensjahr kommt zu diesen unbewussten, absorbierenden Tätigkeiten des Geistes bewusste Aktivität hinzu. Das Kind beginnt bewusst zu handeln und die Welt um sich herum zu erobern. Hier liegt es an uns ein Umfeld zu schaffen, das hilft, all die bisher aufgenommene Information einordnen zu helfen und Klarheit im Geist zu schaffen.

Es gilt Aufgaben zu stellen, die nicht zur bloßen Beschäftigung führen, sondern anhaltende Konzentration hervorrufen. Die präsentierten Aufgaben sollen das Interesse des Kindes dermaßen wecken, dass es in seiner ganzen Persönlichkeit in der gestellten Aufgabe aufgeht. Sowohl Körper als auch Geist werden aktiv durch gezielte Arbeit angesprochen.

Khalil Gibran, Philosoph und Dichter, sagte: „Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe.“ Arbeit zeigt sich  – unter den oben genannten Voraussetzungen – als Liebe zu uns selbst, unseren Talenten und der Welt um uns herum. Egal ob Mechaniker, Gärtner, Koch, Arzt oder Professor – für jeden gibt es – genauso wie im Tier- und Pflanzenreich – Platz in unserer Welt. Wenn wir unseren Kindern helfen, das zu lernen und zu tun, was sich ihre Seele  wünscht, dann leisten wir einen Beitrag für eine Welt, in der Menschen glücklich und erfüllt in Frieden und mit Achtung gegenüber ihren Mitmenschen zusammenleben.

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