Den „mathematischen Geist“ wecken!

Dyskalkulie ist das Fachwort für Rechenstörung.Es handelt sich dabei um eine Teilleistungsschwäche, ähnlich der Legasthenie, der Lese-Rechtschreibschwäche. Kinder, bei denen Dyskalkulie diagnostiziert wird, fehlt das Verständnis für die Menge, die durch eine Reihe von Ziffern dargestellt wird. Sie können sich einfache Rechenoperationen gar nicht oder nur sehr schwer merken. Es gibt noch nicht ausreichende Forschungsergebnisse, die Ursprung und Ausprägung der Rechenstörung belegen. Es wird angenommen, dass eine Rechenschwäche auch vererbt werden kann. Durch gezielte Unterstützung von Lehrern und Eltern kann allerdings, wenn es rechtzeitig erkannt wird, schon sehr früh gegengesteuert werden. Leider wird heute Dyskalkulie erst sehr spät erkannt, nämlich dann, wenn Kinder in der Schule mit dem Zählen der Finger nicht mehr weiterkommen, da die Ziffernfolgen größer werden.

Dyskalkulie

Dabei sind Kinder schon von klein auf von Zahlen umgeben: „Wie alt bist du? In einer Stunde ist die Schule aus. Du wurdest am 29igsten geboren…“ Zahlenverständnis wächst mit der Erfahrung und im Umgang mit realen Gegenständen im eigenen Umfeld, bevor Zahlen zu einem abstrakten Begriff werden.

Im Laufe der Jahrtausende haben wir Menschen auf einzigartige Weise ein abstraktes Zahlensystem entwickelt, wie etwa das Konzept von „Eins“ und „mehr als Eins“. Kinder fühlen sich von diesem Grundkonzept auf natürliche Weise angezogen. Der französische Philosoph Blaise Pascal sprach schon früh von einem „mathematischen Geist“, der uns von Natur aus gegeben ist. Die Erziehungswissenschaftlerin Maria Montessori baut ihre Arbeit mit Kindern auf diesen Ansatz auf und ergänzt, dass dieser Geist sich außerdem durch die Neigung zu Genauigkeit, Ordnung und Vergleich bei Kindern zeige.

Kinder erfahren ihre Umwelt mit allen Sinnen. Auf Basis ihrer Sinneswahrnehmungen leiten sie Konzepte und Eigenschaften von Objekten ab, die sie um sich herum sehen. Sie schaffen sich so eine mentale Ordnung, mit der es ihnen besser gelingt, sich später in die Gesellschaft einzuordnen. Hier liegt es an uns, auch den mathematischen Geist unserer Kinder zu entfachen. Kinder haben Spaß daran zu schätzen wie viel Äpfel in einem Korb sind, möchten in Zahlen ausdrücken und stolz erzählen können, wie viele Farbstifte sie haben, wollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten erkennen, wenn sie etwa die Eier vom Nachbarn zählen und sehen, wie viele Eier die eigenen Hühner legen.

Durch frühzeitiges Erkennen und eine gezielte Unterstützung der Kinder mit Rechenschwäche, kann der Einsatz von Zahlen für Kinder erfahrbar gemacht werden und eine Scheu im Umgang mit Ziffern und später Rechenoperationen frühzeitig entgegengewirkt werden. Vor allen Dingen braucht es dabei Geduld: Es ist wichtiger, Kindern zu helfen, einfache mathematische Konzepte zu verstehen und vom zählenden Rechnen wegzukommen – und dabei auch gerne ein Schuljahr länger in derselben Klasse zu bleiben, als Kinder krampfhaft zum Schulabschluss zu führen. Letzere werden mit der Idee, dass sie sowieso nie Rechnen werden können, jedes Interesse für Zahlen und Mathematik verlieren.

Karin Schaden
Lern- und Legastheniewerkstatt Karin Schaden
A-8091 Jagerberg 91
Email: karin.schaden@schaden.co.at
Web: www.bewegtlernen.at

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